Pferdefütterung: "Vom Grashalm bis zur Muskelzelle" Artikel 7 Teil 2/5 Nährstoffe im Gleichgewicht

Kräuter für Verdauung und Stoffwechsel beim Pferd

Kräuter für Verdauung und Stoffwechsel beim Pferd

Die Kraft der Pflanzenvielfalt – warum Kräuter biologisch zum Pferd gehören

Das Pferd ist ein Pflanzenfresser, der sich über Jahrtausende an eine sehr vielfältige Pflanzennahrung angepasst hat.
In freier Natur besteht die Nahrung nicht ausschließlich aus Gras.
Pferde nehmen abhängig von Jahreszeit, Standort und Verfügbarkeit auf:

  • verschiedene Gräser,
  • Kräuter,
  • Blätter,
  • Zweige,
  • Rinden,
  • Samen,
  • Wurzeln.

Dabei fressen sie nicht wahllos.
Sie wählen selektiv und nehmen unterschiedliche Pflanzen auf, die ihnen verschiedene Nährstoffe und Pflanzenstoffe liefern.

Unsere heutige Pferdefütterung unterscheidet sich davon deutlich.
Heu und Weiden sind eine hervorragende Grundlage.
Sie liefern:

  • Rohfaser,
  • Energie,
  • Eiweiß,
  • Mineralstoffe.

Viele moderne Grünlandflächen bestehen jedoch überwiegend aus wenigen Grasarten.
Dadurch geht ein Teil der natürlichen Pflanzenvielfalt verloren.

Genau hier können Kräuter, Zweige und andere Futterpflanzen eine sinnvolle Ergänzung darstellen.
Nicht als Ersatz für gutes Grundfutter.
Sondern als Erweiterung der natürlichen Ernährung.
Denn jede Pflanze bringt eine eigene Zusammensetzung mit:

  • unterschiedliche Ballaststoffe,
  • verschiedene Mineralstoffe,
  • sekundäre Pflanzenstoffe,
  • natürliche Geschmacksstoffe,
  • unterschiedliche Strukturen für das Darmmikrobiom.

Warum Pflanzenstoffe interessant sind

Pflanzen enthalten sogenannte sekundäre Pflanzenstoffe.
Diese dienen der Pflanze selbst beispielsweise als:

  • Schutzstoffe gegen Fressfeinde,
  • Signalstoffe,
  • Abwehrstoffe,
  • Schutz vor Umweltstress.

Beim Tier können diese Stoffe biologische Prozesse beeinflussen.
Dazu gehören beispielsweise:

  • Bitterstoffe,
  • Flavonoide,
  • Polyphenole,
  • ätherische Öle,
  • Gerbstoffe,
  • Schleimstoffe.

Wichtig:
Genau diese biologische Aktivität macht Kräuter interessant.
Aber sie ist auch der Grund, warum Kräuter nicht nach dem Prinzip:
„Viel hilft viel“
gefüttert werden sollten.
Eine Pflanze kann unterstützen.
Eine zu große Menge oder eine unpassende Kombination kann jedoch den Organismus auch belasten.

Die natürliche Auswahl der Pferde funktioniert in freier Umgebung über:

  • große Bewegungsflächen,
  • unterschiedliche Pflanzenangebote,
  • jahreszeitliche Veränderungen.

In der Haltung müssen wir diese Vielfalt bewusster anbieten.
Deshalb gilt:
Kräuter können eine wertvolle Ergänzung sein – aber gezielt eingesetzt und passend zum Pferd.

Löwenzahn (Taraxacum officinale)

Der Löwenzahn gehört zu den bekanntesten heimischen Pflanzen.
Viele Pferde fressen ihn auf der Weide sehr gerne.
Verwendet werden:

  • Blätter,
  • Blüten,
  • Wurzeln.

Warum Löwenzahn interessant ist

Löwenzahn verbindet mehrere Eigenschaften:
Er liefert:

  • natürliche Mineralstoffe,
  • Bitterstoffe,
  • lösliche Ballaststoffe,
  • sekundäre Pflanzenstoffe.

Besonders interessant ist die Kombination aus Bitterstoffen und Inulin.

Inhaltsstoffe des Löwenzahns

Mineralstoffe

Löwenzahn enthält unter anderem:

  • Kalium,
  • Calcium,
  • Magnesium,
  • Eisen.
Kalium

Kalium ist einer der mengenmäßig wichtigsten Mineralstoffe im Körper.
Aufgaben:

  • Wasserhaushalt,
  • Nervenleitung,
  • Muskelkontraktion,
  • Säure-Basen-Regulation.

Löwenzahn kann vergleichsweise kaliumreich sein.
Allerdings:
Ein durchschnittliches Pferd nimmt über Heu und Gras normalerweise bereits große Mengen Kalium auf.
Die Bedeutung von Löwenzahn liegt deshalb weniger darin, den Kaliumbedarf zu decken, sondern in der zusätzlichen Pflanzenvielfalt und den begleitenden Pflanzenstoffen.

Calcium

Calcium ist wichtig für:

  • Knochenstruktur,
  • Muskelkontraktion,
  • Signalübertragung zwischen Zellen.

Der Calciumgehalt von Löwenzahn kann zur Versorgung beitragen.
Eine gezielte Calciumversorgung erfolgt jedoch weiterhin hauptsächlich über Grundfutter und gegebenenfalls Mineralfutter.

Magnesium

Magnesium spielt eine Rolle bei:

  • Muskelstoffwechsel,
  • Nervenfunktion,
  • Energiegewinnung.

Auch hier gilt:
Der Beitrag von Kräutern ist interessant, aber mengenmäßig meist nicht ausreichend, um einen tatsächlichen Mangel auszugleichen.

Eiweiß und Aminosäuren

Löwenzahn enthält pflanzliches Eiweiß.
Dabei kommen verschiedene Aminosäuren vor.
Besonders relevant für Pferde sind:

  • Lysin,
  • Methionin,
  • Threonin.

Diese Aminosäuren sind wichtig für:

  • Muskelaufbau,
  • Gewebeerneuerung,
  • Enzymbildung.

Der Eiweißanteil von Löwenzahn kann zur Vielfalt beitragen.
Er ersetzt jedoch keine gezielte Eiweißversorgung über hochwertiges Futter.

Bitterstoffe im Löwenzahn

Die Bitterstoffe gehören zu den interessantesten Bestandteilen des Löwenzahns.
Sie können über Rezeptoren im Maul und Verdauungssystem Signale auslösen.

Mögliche Effekte:

  • Förderung der Speichelbildung,
  • Unterstützung der Verdauungsvorgänge,
  • Anregung natürlicher Verdauungsprozesse.

Inulin – Nahrung für das Darmmikrobiom

Die Wurzel des Löwenzahns enthält Inulin.
Inulin gehört zu den löslichen Ballaststoffen.
Es kann als sogenannte präbiotische Substanz dienen.
Das bedeutet:
Es kann bestimmten erwünschten Darmmikroorganismen als Nahrung dienen.

Flavonoide und antioxidative Pflanzenstoffe

Löwenzahn enthält verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe.
Dazu gehören Flavonoide.
Diese Pflanzenstoffe besitzen antioxidative Eigenschaften.
Antioxidative Systeme helfen dem Körper dabei, mit sogenannten freien Radikalen umzugehen.
Diese entstehen beispielsweise bei:

  • normalem Stoffwechsel,
  • körperlicher Belastung,
  • Regenerationsprozessen.

Traditionelle Bedeutung von Löwenzahn

Traditionell wird Löwenzahn eingesetzt zur Unterstützung von:

  • Verdauung,
  • Appetit,
  • natürlicher Stoffwechselregulation,
  • Vielfalt der Futterration.

Was Löwenzahn leisten kann

Löwenzahn kann:

✅ die Pflanzenvielfalt erhöhen
✅ Bitterstoffe liefern
✅ das Darmmikrobiom über Ballaststoffe unterstützen
✅ natürliche Pflanzenstoffe bereitstellen

Was Löwenzahn nicht leisten kann

Löwenzahn ersetzt nicht:

❌ gutes Heu
❌ eine passende Mineralversorgung
❌ eine ausreichende Eiweißversorgung
❌ eine medizinische Behandlung

Mariendistel (Silybum marianum)

Die Mariendistel gehört zu den bekanntesten Pflanzen im Bereich Stoffwechselunterstützung.
Besonders bekannt ist ihr Inhaltsstoff:

Silymarin

Inhaltsstoffe der Mariendistel

Silymarin

Silymarin gehört zur Gruppe der Flavonolignane.
Es wird vor allem wegen seiner antioxidativen Eigenschaften geschätzt.

Mineralstoffe

Mariendistel enthält unter anderem:

  • Kalium,
  • Magnesium,
  • Calcium.

Diese Mengen können zur natürlichen Vielfalt beitragen.
Sie sind jedoch normalerweise nicht hoch genug, um den Mineralstoffbedarf eines Pferdes allein zu decken.

Fettsäuren

Die Samen der Mariendistel enthalten pflanzliche Öle.
Darin befinden sich verschiedene Fettsäuren.
Diese können zur Energieversorgung beitragen.

Bedeutung für den Stoffwechsel

Die Leber ist ein zentrales Stoffwechselorgan.
Sie ist beteiligt an:

  • Verarbeitung von Nährstoffen,
  • Speicherung von Energie,
  • Bildung und Umbau von Stoffen,
  • Regulation vieler Stoffwechselprozesse.

Eine gut funktionierende Leber ist wichtig für:

  • Energieversorgung,
  • Muskelstoffwechsel,
  • Regeneration.

Traditionelle Nutzung

Mariendistel wird traditionell eingesetzt zur Unterstützung:

  • des Leberstoffwechsels,
  • natürlicher Regulationsprozesse,
  • der Stoffwechselbalance.

Was Mariendistel leisten kann

Mariendistel kann:

✅ antioxidative Pflanzenstoffe liefern
✅ die Pflanzenvielfalt ergänzen
✅ den Organismus bei natürlichen Stoffwechselprozessen begleiten

Was Mariendistel nicht leisten kann

Sie ersetzt nicht:

❌ eine Diagnose bei Lebererkrankungen
❌ eine ausgewogene Fütterung
❌ eine bedarfsgerechte Haltung

Brennnessel (Urtica dioica)

Die Brennnessel gehört zu den wertvollsten heimischen Futterpflanzen.
Viele Pferde fressen frische Brennnesseln auf der Weide, besonders wenn diese jung sind.
Getrocknet verliert die Brennnessel ihre brennende Wirkung und wird traditionell gerne als Ergänzung gefüttert.

Verwendet werden:

  • Blätter,
  • Stängel,
  • teilweise Samen.

Warum Brennnessel interessant ist

Die Brennnessel ist eine Pflanze mit einer außergewöhnlich vielseitigen Zusammensetzung.
Sie liefert:

  • Mineralstoffe,
  • Spurenelemente,
  • pflanzliches Eiweiß,
  • Chlorophyll,
  • Flavonoide,
  • Carotinoide,
  • verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe.

Gerade diese Kombination macht sie interessant als Ergänzung zu einer heute häufig sehr grasbetonten Ernährung.

Inhaltsstoffe der Brennnessel

Mineralstoffe

Brennnesseln können vergleichsweise hohe Mengen enthalten an:

  • Kalium,
  • Calcium,
  • Magnesium,
  • Eisen.

Außerdem finden sich Spurenelemente wie:

  • Silizium,
  • Zink,
  • Mangan.

Kalium

Kalium gehört zu den wichtigsten Mineralstoffen im Körper.
Aufgaben:

  • Regulation des Wasserhaushaltes,
  • Funktion von Nerven und Muskeln,
  • Aufrechterhaltung des Zellstoffwechsels.

Brennnessel ist eine kaliumreiche Pflanze.
Allerdings:
Pferde erhalten über Gras und Heu meist bereits große Mengen Kalium.
Die Bedeutung der Brennnessel liegt deshalb nicht darin, den Kaliumbedarf eines Pferdes zu decken, sondern in der Kombination aus verschiedenen Pflanzenstoffen und Nährstoffen.

Calcium

Calcium ist wichtig für:

  • Knochen,
  • Zähne,
  • Muskelkontraktion,
  • Signalübertragung im Körper.

Brennnessel kann Calcium beitragen.
Der Gehalt schwankt jedoch stark abhängig von:

  • Boden,
  • Standort,
  • Erntezeitpunkt.

Eine gezielte Calciumversorgung sollte deshalb weiterhin über die gesamte Ration betrachtet werden.

Magnesium

Magnesium spielt eine wichtige Rolle bei:

  • Muskelstoffwechsel,
  • Energiegewinnung,
  • Nervenfunktion.

Gerade für Pferde in Arbeit ist Magnesium ein interessanter Mineralstoff.
Die Mengen aus Kräutern können jedoch eine ausgewogene Mineralversorgung ergänzen, aber normalerweise keinen ausgeprägten Mangel ausgleichen.

Eisen

Brennnessel enthält vergleichsweise viel Eisen.
Eisen ist beteiligt an:

  • Sauerstofftransport im Blut,
  • Bildung von Hämoglobin,
  • Zellstoffwechsel.

Ein wichtiger Punkt:
Bei Pferden ist Eisenmangel deutlich seltener als häufig angenommen.
Viele Pferde nehmen über Gras, Heu und Erde bereits ausreichend Eisen auf.
Eine zusätzliche Eisergabe ohne tatsächlichen Bedarf ist deshalb nicht grundsätzlich sinnvoll.

Silizium – ein besonderer Bestandteil der Brennnessel

Brennnessel enthält Siliziumverbindungen.
Silizium wird häufig mit folgenden Bereichen in Verbindung gebracht:

  • Bindegewebe,
  • Haut,
  • Fell,
  • Struktur von Gewebe.

Die genauen Funktionen im Pferdeorganismus sind komplex.
Interessant ist jedoch, dass Pflanzen wie Brennnessel natürliche Siliziumquellen darstellen.

Eiweiß und Aminosäuren

Brennnessel enthält für eine Pflanze relativ viel Eiweiß.
Sie liefert verschiedene Aminosäuren.
Besonders relevant für Pferde sind:

  • Lysin,
  • Methionin,
  • Threonin,
  • Leucin.

Diese Aminosäuren sind wichtig für:

  • Muskelaufbau,
  • Reparaturprozesse,
  • Enzymbildung,
  • Gewebeerneuerung.

Trotzdem:
Brennnessel ist kein Ersatz für eine bedarfsgerechte Eiweißversorgung.
Für Muskelaufbau entscheidet vor allem die gesamte Aminosäureversorgung der Ration.
Besonders wichtig sind dabei die sogenannten limitierenden Aminosäuren:

  • Lysin,
  • Methionin,
  • Threonin.

Sekundäre Pflanzenstoffe der Brennnessel

Brennnessel enthält unter anderem:

  • Flavonoide,
  • Chlorophyll,
  • Carotinoide,
  • Phenolverbindungen.

Diese Pflanzenstoffe gehören zu den Gründen, warum Brennnessel traditionell so geschätzt wird.

Brennnessel und Stoffwechsel

Traditionell wird Brennnessel eingesetzt zur Unterstützung:

  • des Stoffwechsels,
  • der Vitalität,
  • des Fellwechsels.

Durch die Kombination aus Mineralstoffen, Eiweißbestandteilen und Pflanzenstoffen kann sie eine abwechslungsreiche Ernährung ergänzen.

Brennnessel und Niere

Ein häufiger traditioneller Einsatzbereich der Brennnessel ist die Unterstützung der Nierentätigkeit.
Die Pflanze enthält:

  • Kalium,
  • verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe,
  • pflanzliche Begleitstoffe.

Traditionell wird sie deshalb häufig im Zusammenhang mit dem Flüssigkeitshaushalt und der natürlichen Ausscheidungsfunktion genutzt.

Wichtig:
Die Niere muss nicht regelmäßig "entgiftet" werden.
Der gesunde Körper besitzt eigene Regulationssysteme.
Brennnessel kann diese natürlichen Prozesse begleiten, ersetzt aber keine tiermedizinische Behandlung bei Erkrankungen.

Was Brennnessel leisten kann

Brennnessel kann:

✅ die Pflanzenvielfalt erhöhen
✅ natürliche Mineralstoffe liefern
✅ pflanzliches Eiweiß ergänzen
✅ sekundäre Pflanzenstoffe bereitstellen
✅ besonders im Fellwechsel interessant sein

Was Brennnessel nicht leisten kann

Sie ersetzt nicht:

❌ ein gutes Mineralfutter bei einem Mangel
❌ hochwertiges Eiweißfutter
❌ eine ausgewogene Grundration

Fenchel (Foeniculum vulgare)

Fenchel gehört zu den bekanntesten traditionellen Verdauungspflanzen.
Viele Pferde kennen Fenchel aus Kräutermischungen oder Kräutertees.

Inhaltsstoffe des Fenchels

Besonders interessant sind:

  • ätherische Öle,
  • Flavonoide,
  • sekundäre Pflanzenstoffe.

Der wichtigste Bestandteil des ätherischen Öls:

Anethol

Mineralstoffe

Fenchel enthält unter anderem:

  • Kalium,
  • Calcium,
  • Magnesium.

Diese Mengen können die Ernährung ergänzen.
Sie sind jedoch mengenmäßig nicht der Hauptgrund für die Nutzung von Fenchel.
Der interessante Bereich liegt vor allem bei den ätherischen Ölen.

Ätherische Öle im Fenchel

Ätherische Öle sind hochaktive Pflanzenbestandteile.
Sie geben der Pflanze ihren typischen Geruch und Geschmack.
Beim Pferd werden sie traditionell genutzt zur Unterstützung:

  • der Verdauung,
  • der Darmbewegung,
  • einer normalen Gasbildung.

Bedeutung für die Verdauung

Fenchel wird häufig eingesetzt bei Pferden mit:

  • empfindlicher Verdauung,
  • Neigung zu Blähungen,
  • wechselnder Futteraufnahme.

Die aromatischen Pflanzenstoffe können dabei einen natürlichen Reiz für das Verdauungssystem darstellen.

Was Fenchel leisten kann

Fenchel kann:

✅ die Kräutervielfalt erhöhen
✅ ätherische Pflanzenstoffe liefern
✅ die natürliche Verdauungsfunktion begleiten

Was Fenchel nicht leisten kann

Fenchel ersetzt nicht:
❌ eine Ursachenklärung bei Verdauungsproblemen
❌ eine passende Raufutterversorgung
❌ eine tierärztliche Behandlung bei Erkrankungen

Anis (Pimpinella anisum)

Anis gehört wie Fenchel zu den klassischen aromatischen Pflanzen.

Inhaltsstoffe

Der wichtigste Inhaltsstoff:

  • Anethol

Außerdem enthält Anis:

  • ätherische Öle,
  • Flavonoide.

Bedeutung der ätherischen Öle

Anis wird traditionell genutzt zur Unterstützung:

  • der Verdauung,
  • der Futteraufnahme,
  • einer normalen Darmfunktion.

Mineralstoffe

Anis enthält zwar Mineralstoffe wie:

  • Kalium,
  • Calcium,
  • Magnesium,

jedoch nicht in Mengen, die für die Versorgung eines Pferdes entscheidend wären.
Der Wert von Anis liegt vor allem in seinen aromatischen Pflanzenstoffen.

Was Anis leisten kann

Anis kann:

✅ natürliche Pflanzenstoffe liefern
✅ die Futtervielfalt erweitern
✅ traditionell die Verdauung begleiten

Kümmel (Carum carvi)

Kümmel gehört ebenfalls zu den klassischen Verdauungspflanzen.

Inhaltsstoffe

Besonders interessant:

  • ätherische Öle,
  • Carvon,
  • Limonen.

Bedeutung für das Pferd

Kümmel wird traditionell eingesetzt zur Unterstützung:

  • der Verdauung,
  • einer normalen Darmbewegung,
  • der Gasregulation im Verdauungstrakt.

Mineralstoffe und Nährstoffe

Kümmel enthält verschiedene Mineralstoffe.
Diese spielen mengenmäßig jedoch keine große Rolle in der Pferdefütterung.
Die Bedeutung liegt hauptsächlich in den sekundären Pflanzenstoffen.

Pfefferminze (Mentha × piperita)

Die Pfefferminze gehört zu den bekanntesten aromatischen Pflanzen und wird traditionell seit Jahrhunderten zur Unterstützung der Verdauung eingesetzt.
Sie enthält eine Vielzahl pflanzlicher Inhaltsstoffe.
Besonders bekannt sind:

  • Menthol
  • Menthon
  • Flavonoide
  • Gerbstoffe
  • ätherische Öle

Gerade die ätherischen Öle sind für die typische Wirkung und den charakteristischen Geruch verantwortlich.

Inhaltsstoffe und mögliche Bedeutung

Ätherische Öle

Der wichtigste Bestandteil der Pfefferminze ist das ätherische Öl mit dem Hauptbestandteil Menthol.
Diese Stoffe können:

  • die Wahrnehmung von Geschmack und Geruch beeinflussen,
  • die Verdauungsprozesse begleiten,
  • die Darmbewegung beeinflussen.

Die aromatischen Bestandteile machen Pfefferminze besonders interessant als Ergänzung bei Pferden, die zu einer empfindlichen Verdauung neigen oder eine abwechslungsreiche Pflanzenfütterung erhalten sollen.

Mineralstoffe und Nährstoffe

Pfefferminze enthält grundsätzlich auch Mineralstoffe wie:

  • Kalium,
  • Calcium,
  • Magnesium,
  • Eisen.

Die Mengen, die über typische Kräutergaben aufgenommen werden, sind jedoch vergleichsweise gering.
Eine kleine Menge Pfefferminze kann daher nicht als Mineralstoffversorgung betrachtet werden.
Ihre Bedeutung liegt vielmehr in den enthaltenen sekundären Pflanzenstoffen und ätherischen Ölen.

Traditionelle Anwendung

Pfefferminze wird traditionell eingesetzt zur Unterstützung von:

  • Verdauung,
  • Futteraufnahme,
  • Wohlbefinden.

Durch ihr intensives Aroma kann sie außerdem die Futtervielfalt bereichern.

Worauf sollte geachtet werden?

Auch bei Pfefferminze gilt:
Mehr ist nicht automatisch besser.
Die enthaltenen ätherischen Öle sind biologisch aktive Substanzen.
In kleinen Mengen können sie sinnvoll sein.
Eine dauerhafte oder übermäßige Gabe großer Mengen kann jedoch unerwünschte Effekte haben.

Besonders bei:

  • tragenden Stuten,
  • empfindlichen Pferden,
  • bestehenden Erkrankungen,
  • gleichzeitiger Medikamentengabe

sollte die Anwendung überlegt erfolgen.

Kamille (Matricaria chamomilla)

Die Kamille gehört zu den bekanntesten traditionellen Heilpflanzen.
Sie wird seit Jahrhunderten genutzt und ist auch in der Tierhaltung eine häufig eingesetzte Pflanze.

Inhaltsstoffe

Kamille enthält unter anderem:

  • ätherische Öle,
  • Flavonoide,
  • Schleimstoffe,
  • Gerbstoffe.

Besonders bekannt sind:

  • Apigenin (ein Flavonoid)
  • Bisabolol (Bestandteil des ätherischen Öls)
  • Chamazulen (entsteht bei der Verarbeitung)

Bedeutung der Inhaltsstoffe

Flavonoide

Flavonoide gehören zu den sekundären Pflanzenstoffen.
Sie besitzen antioxidative Eigenschaften und können den Körper dabei unterstützen, mit oxidativem Stress umzugehen.

Schleimstoffe

Schleimstoffe können Wasser binden.

Dadurch können sie:

  • die Futterstruktur beeinflussen,
  • empfindliche Schleimhäute begleiten.
Mineralstoffe

Kamille enthält auch Mineralstoffe wie:

  • Kalium,
  • Calcium,
  • Magnesium.

Auch hier gilt:
Die Mengen bei üblichen Kräutergaben sind ernährungsphysiologisch nicht relevant.
Die Wirkung entsteht nicht durch eine Mineralstoffversorgung, sondern durch die pflanzlichen Inhaltsstoffe.

Traditionelle Anwendung

Kamille wird traditionell eingesetzt zur Unterstützung von:

  • empfindlicher Verdauung,
  • allgemeinem Wohlbefinden,
  • Entspannung.

Bedeutung für das Pferd

Gerade bei Pferden mit empfindlichem Verdauungssystem kann eine abwechslungsreiche Pflanzenfütterung sinnvoll sein.
Dabei geht es nicht darum, eine Pflanze als "Medizin" einzusetzen.
Vielmehr geht es um die Ergänzung einer natürlichen Ernährung mit verschiedenen Pflanzenstoffen.

Grenzen der Anwendung

Auch Kamille sollte gezielt eingesetzt werden.
Eine große Menge bedeutet nicht automatisch eine größere Wirkung.
Wie bei allen Kräutern gilt:
Die Dosis macht den Unterschied.
Pflanzen enthalten aktive Inhaltsstoffe.
Diese können unterstützen, aber bei falscher oder übermäßiger Anwendung auch unerwünschte Wirkungen zeigen.

Bitterstoffe und Stoffwechsel

Viele traditionelle Stoffwechselpflanzen enthalten Bitterstoffe.

Beispiele:

  • Löwenzahn,
  • Mariendistel,
  • Artischocke,
  • Chicorée.

Bitterstoffe sind natürliche Pflanzenstoffe, die für die Pflanze unter anderem eine Schutzfunktion besitzen.
Beim Tier können sie über Geschmackssinn und Verdauungssystem Signale auslösen.

Mögliche Effekte:

  • Förderung der Speichelbildung,
  • Unterstützung der Verdauungsvorgänge,
  • Einfluss auf die Futteraufnahme.

"Stoffwechsel anregen" – was bedeutet das eigentlich?

Der Begriff wird in der Werbung häufig verwendet.
Biologisch betrachtet ist er jedoch sehr unspezifisch.
Der Stoffwechsel umfasst viele Prozesse:

  • Energiegewinnung,
  • Aufbau und Abbau von Gewebe,
  • Verarbeitung von Nährstoffen,
  • Regulation von Hormonen.

Der Pferdekörper besitzt bereits eigene Regulationssysteme.
Dazu gehören:

  • Leber,
  • Niere,
  • Darm,
  • Haut.

Pflanzen können diese Prozesse begleiten.
Sie ersetzen jedoch keine bedarfsgerechte Ernährung oder medizinische Behandlung.

Wann Kräuter sinnvoll sein können

Kräuter können besonders interessant sein:

✅ zur Erweiterung der Futtervielfalt
✅ bei saisonalen Veränderungen wie Fellwechsel
✅ zur Unterstützung der Verdauung
✅ als Ergänzung bei erhöhtem Bedarf
✅ als Bestandteil einer abwechslungsreichen natürlichen Ration

Aber:
Die Grundlage bleibt immer:

✅ hochwertiges Heu
✅ ausreichend Wasser
✅ passende Mineralversorgung
✅ artgerechte Bewegung und Haltung

Zusammenfassung Teil 2/5

Kräuter und Pflanzen gehören ursprünglich zur natürlichen Ernährung des Pferdes.
Sie liefern nicht nur klassische Nährstoffe, sondern auch zahlreiche sekundäre Pflanzenstoffe.
Besonders interessant sind:

  • Bitterstoffe,
  • ätherische Öle,
  • Flavonoide,
  • Schleimstoffe,
  • antioxidative Pflanzenstoffe.

Dabei gilt:
Ein Pferd profitiert von Vielfalt.

Aber:
Auch natürliche Stoffe besitzen eine Wirkung.
Deshalb sollte nicht nach dem Prinzip gehandelt werden:

"Mehr hilft mehr."

Die sinnvollste Kräuterfütterung orientiert sich immer am einzelnen Pferd.

Wichtigste Erkenntnis

Kräuter ersetzen kein gutes Grundfutter.
Aber sie können eine natürliche und sinnvolle Ergänzung sein, wenn sie gezielt und passend eingesetzt werden.

Fortsetzung Artikel 7 – Teil 3/5

Pflanzen für Bewegungsapparat, Gelenke und Regeneration

Im nächsten Teil betrachten wir Pflanzen, die traditionell im Zusammenhang mit Bewegung und Regeneration eingesetzt werden:

  • Kurkuma
  • Ingwer
  • Teufelskralle
  • Weidenrinde
  • Mädesüß
  • Hagebutte

Dabei geht es um:

  • welche Inhaltsstoffe interessant sind,
  • welche Bedeutung sie für den Körper haben können,
  • welche Grenzen eine pflanzliche Unterstützung besitzt,
  • warum Bewegung und Ernährung die Grundlage jeder Regeneration bleiben.

Quellen

  • National Research Council (NRC). Nutrient Requirements of Horses. National Academies Press, 2007.

  • Meyer, H.; Coenen, M. Pferdefütterung. Schaper Verlag.

  • Geor, R.J.; Harris, P.A.; Coenen, M. Equine Applied and Clinical Nutrition. Elsevier.

  • GfE. Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von Pferden.

  • McDonald, P. et al. Animal Nutrition.

  • European Medicines Agency (EMA). Herbal Monographs verschiedener Heilpflanzen.

  • Julliand, V. Arbeiten zur Verdauungsphysiologie und Darmmikrobiologie des Pferdes.

  • European Scientific Cooperative on Phytotherapy (ESCOP). Monographs on the Medicinal Uses of Plants.

  • Williamson, E.M. Potter’s Herbal Cyclopaedia.